Tipps und Regeln
Der erste Camino ist immer aufregend und voller Überraschungen
Jeder geht seinen eigenen Camino, in seinem eigenen Tempo und mit seinem eigenen Ziel. Im Netz findest du schon sehr viel dazu, trotzdem möchte ich dir ein paar nützliche Dinge mit auf den Weg geben.
Welchen Camino gehe ich als Ersten?
Hast du zwei oder drei Wochen Zeit, ist der Caminho Português da Costa perfekt. In zwei Wochen schaffst du ihn. Hast du drei Wochen, kannst du zusätzlich den Abstecher über die Variante Espiritual einplanen. Die Etappen sind nicht wirklich schwer, und die Route entlang der Küste ist wunderschön. Unterwegs gibt es ausreichend Albergues.
Du kannst auch einen Teil des Camino Francés gehen, zum Beispiel in Pamplona starten und schauen, wie weit du kommst. Später machst du dort weiter, wo du aufgehört hast.
Was nehme ich mit?
Kauf dir einen guten Rucksack mit 30 bis 40 Litern, nicht größer. Je größer der Rucksack, desto mehr nimmst du mit. Als Faustregel gelten etwa 10 % deines Körpergewichts. Ich würde das Maximum bei 10 Kilo ansetzen. Ein Rucksack mit integrierter Regenhülle ist sehr praktisch. Eine Regenhülle gibt es natürlich auch einzeln zu kaufen, aber bei einem unerwarteten Schauer willst du sie schnell finden können.
Was ziehe ich an?
Kleidung und Schuhe
- Feste Wanderschuhe für tagsüber und Flip-Flops oder Sandalen für den Abend
- 3 Paar gut sitzende, nahtlose Wandersocken. Die Qualität der Socken bestimmt einen großen Teil deines Wandercomforts. Socken von Smartwool eignen sich sehr gut
- 3 Garnituren Unterwäsche
- 2 kurzärmelige T-Shirts aus Merinowolle (Icebreaker oder vergleichbar)
- 2 Hosen, davon 1 leichte Wanderhose (ein Modell mit abzippbaren Hosenbeinen ist praktisch), außerdem eine Regenhose
- 1 langärmeliges Shirt
- Fleecejacke oder Windstopper
- Regenjacke mit Kapuze oder Rucksackponcho
- Schlafanzug oder T-Shirt zum Schlafen, oder Thermounterwäsche. Letztere ist praktisch, wenn es kalt ist, und passt unter deine Kleidung
- Wähle möglichst leichte, schnell trocknende Kleidung
Pflege
- Sonnenbrille, Sonnencreme, Lippenbalsam
- Toilettenartikel: so wenig wie möglich. Eine Zahnbürste und Zahnpasta sowie Tagescreme mit Lichtschutzfaktor 50
- Auf dem Camino geht es um dein Inneres, dein Äußeres ist nebensächlich
- Erste-Hilfe-Set mit Pflastern, Paracetamol und eigenen Medikamenten (Blasenpflaster und Tape sind empfehlenswert)
- Zusätzliche Einlegesohlen für deine Schuhe (praktisch, wenn die anderen noch nicht trocken sind)
Rucksack und Sonstiges
- Leichter Schlafsack und/oder Hüttenschlafsack. Im Sommer reicht ein Hüttenschlafsack, bei kaltem Wetter gibt ein Schlafsack zusätzliche Wärme
- Wanderstöcke. Achtung: Die dürfen im Flugzeug nicht als Handgepäck mit, gib sie also mit dem Aufgabegepäck auf
- Leichtes Handtuch
- Mütze oder andere Kopfbedeckung gegen die Sonne
- Tagebuch mit Stift oder Bleistift
- Handy und eine leichte Powerbank (die gehört bei deinem Flug ins Handgepäck). Auch hier kannst du Gewicht sparen
- Ein Adapter mit zwei USB-Anschlüssen
- Ein paar Plastik-Zipbeutel
- Eventuell Ohrstöpsel. Du schläfst oft in Schlafsälen in den Albergues; wenn du einen leichten Schlaf hast, sind sie ein absolutes Muss
- Pilgerausweis (Credencial), erhältlich in Touristeninformationen, Albergues und einigen Kirchen
- Personalausweis oder Reisepass
- Europäische Krankenversicherungskarte und eine Reise-/Reiserücktrittsversicherung (wichtig im Ausland)
- Karabinerhaken, um zum Beispiel dein Mittagessen an den Rucksack zu hängen
- Wiederaufladbare Stirnlampe, am liebsten mit Rotlicht, für den frühen Morgen in der Albergue
Ungeschriebene Regeln
- Grüße immer mit Buen Camino.
- Bekommst du nicht gleich eine Antwort, respektiere das. Manche Pilger gehen schweigend und haben kein Bedürfnis nach Kontakt. Du tust ihnen einen Gefallen, wenn du einfach weitergehst.
- Ruhe in der Albergue: Meist ist um 22:00 Uhr Nachtruhe und das Licht geht aus, und ab etwa 6:00 Uhr beginnt das Aufstehen. Pack deine Sachen schon abends und vermeide dabei das Rascheln von Plastiktüten. Morgens machst du mit einer Stirnlampe (Rotlicht) oder außerhalb des Schlafsaals weiter.
- Schuhe und Stöcke lässt du in dem dafür vorgesehenen Raum oder Regal stehen, nicht im Schlafsaal.
- Ein Bett „reservieren“ mit einem Rucksack oder Schuhen für jemand anderen ist ein No-Go. Wer zuerst kommt, bekommt das Bett.
- Respektiere die Hospitaleros (oft Freiwillige) und halte dich an die Regeln der Albergue. Zahle bei Donativo-Albergues einen fairen Beitrag.
- Urteile nicht darüber, wie ein anderer geht: mit Gepäcktransport, mit dem Taxi für ein Stück oder in kurzen Etappen. Jeder geht seinen eigenen Camino.
- Teile gern (Essen, Pflaster, Tipps) und hilf jemandem, der Probleme hat, zum Beispiel bei Blasen oder einer Verletzung.
- Hinterlasse keinen Müll und nimm deinen Abfall mit. Lass auch keine Steinhäufchen oder Kleidung an Kreuzen und Denkmälern zurück.
- Musik hörst du mit Kopfhörern, nicht über den Lautsprecher, damit andere ihre Ruhe haben.
- Achte auf Radfahrer: Geh zur Seite, wenn sie klingeln, und lauft nicht zu dritt nebeneinander auf schmalen Pfaden.
- Verhalte dich in Kirchen und Dörfern respektvoll: leise Stimme, keine kurze Hose und kein nackter Oberkörper in der Kirche während eines Gottesdienstes, und verrichte in den Dörfern nicht entlang der Route deine Notdurft.
- Gönn dir und anderen Zeit: Der Camino ist kein Rennen und damit auch kein Wettlauf um das erste Bett.
Sicher unterwegs, auch als Frau allein
Der Camino ist im Allgemeinen ein sicherer Weg, auch für Frauen, die allein gehen. Trotzdem ist es angenehm, vorbereitet zu sein.
Du möchtest dich auf dem Camino in Spanien sicherer fühlen? Dann installiere AlertCops auf deinem Android-Smartphone oder iPhone. Mit dieser kostenlosen App der spanischen Nationalpolizei und der Guardia Civil kannst du in Notfällen deinen Standort teilen, direkt Kontakt zu den Rettungsdiensten aufnehmen und Straftaten melden. Praktisch für Pilger:
- SOS-Taste: Drück fünfmal schnell hintereinander, und die App schickt eine kurze Tonaufnahme und deinen Standort an deine Notfallkontakte.
- Guardian Camino de Santiago: Deine Position wird während deiner Tour regelmäßig übermittelt, sodass du in einer Notlage schnell gefunden wirst.
- Standort teilen mit bis zu fünf Menschen zu Hause, denen du vertraust.
- Chat mit der Polizei, mit Übersetzung in mehr als 100 Sprachen.
- Rescue: Auch ohne Mobilfunkempfang kannst du über WLAN deinen Standort an die Rettungsdienste senden.
Hier kannst du mehr darüber lesen. In einem Notfall wählst du in Spanien und Portugal immer die 112.